Die Flora hat auf unserem Planeten einen evolutionären Entwicklungsvorsprung und produziert sich ihre wichtigsten Medikamente selbst. Ätherische Öle sind überlebenswichtige Abwehrstoffe der Pflanzen gegen die gängigsten Bedrohungen wie Freßfeinde oder Witterungseinflüsse, sie dienen darüber hinaus aber auch dem Anlocken von Nützlingen und der Kommunikation untereinander.

Es handelt sich um Stoffgemische, die in ganz geringen Mengen bereits große Wirkung zeigen, so daß die energieaufwendige Bildung dieser Öle sich für die Pflanze durchaus lohnt.

Obwohl es inzwischen ein immenses Wissen über die Zusammensetzung, Wirkung und besonderen Eigenschaften vieler Ätherische Öle gibt, steckt die praktische medizinische Anwendung im therapeutischen Bereich noch in viel zu kleinen Kinderschuhen. Während uns die Industrie weltweit seit Jahrzehnten in all ihren großen Verkaufstempeln mit allerlei Duftstoffen manipuliert, ist die Aromatherapie in der Hand von Ärzten noch immer eine Rarität und wird nicht selten als esoterische Anwandlung abgetan. Trotz zahlreicher Studien, die einigen Ätherischen Ölen z.B. eine den gängigen Antibiotika deutlich überlegene Wirksamkeit bei bestimmten bakteriellen Infektionen nachweisen, hält sich der Schulmediziner lieber an die Leitlinien zum Abverkauf der Pharmaindustriepräparate.

Auch die Gewinnung der Öle aus den Rohpflanzen entwickelt sich nur zögerlich, so daß heute noch der Großteil der Ätherischen Kostbarkeiten in alten Destillen im Familienbetrieb sehr aufwendig hergestellt wird, was die Marktpreise in teils schwindelnder Höhe hält.

So kommt es wohl, daß sich immer mehr wissenschaftlich orientierte Therapeuten und Mediziner abseits des pharmagesteuerten Mainstreams mit der Aromatherapie beschäftigen.

Die ersten Standardwerke zur Anwendung Ätherischer Öle in der Medizin stammen allerdings aus dem Bereich der Krankenpflege. Hier hat sich ihr praktischer Einsatz in der Pflege, zur Wundbehandlung und zur psychischen Unterstützung der Patienten seit langem bewährt und etabliert.